Ur- und Frühgeschichte
  • Einleitung
  • Steinzeit
  • Bronzezeit
  • Eisenzeit

Nach der noch immer anzutreffenden allgemeinen Lehrmeinung befand sich das nördliche Europa vor der Begegnung mit den Römern in einem kulturlosen Urzustand.
Daß dem nicht so war, und daß der Norden ein eigenartiges Kulturland schon weit vor der sog.  „geschichtlichen Zeit“ war, können die unzähligen Funde der Archäologie und Feldforschung belegen.  Der aufmerksame Leser findet im reichen Schriftum zum Thema, sowie in einer großen Anzahl von Museen, die Belege  für die Kulturhöhe und die künstlerische und handwerkliche Begabung der Ureinwohner des europäischen Nordens.
Zu diesen Belegen zählen ebenso die freistehenden Zeugen der Megalithzeit, der Großsteinzeit mit den Steintischen (Dolmen), Steinkreisen und Steinreihen, sowie die unzähligen Funde aus dem Erdboden. Letztere stammen vorwiegend aus Gräbern als Grabbeilagen, aus sog. „Hortfunden“ oder Depotfunden (Prof. Dr. K.H. Jakob-Friesen nannte sie zum besseren Verständnis „Verwahrfunde“), sowie aber auch aus alten Siedlungsstellen. Auch gibt es seltene aber ebenso kostbare, meist sehr gut erhaltene Funde aus Mooren. 
Mit immer moderneren wissenschaftlichen Mitteln kann der Archäologe die Gegenstände vergangener Zeiten auffinden, zeitlich einordnen, kartieren, inventarisieren, vielleicht auch noch rekonstruieren. Das Deuten ist aber nicht mehr allein eine Angelegenheit der Archäologen. Der verlegene Satz: „Was man nicht beweisen kann, sieht man gern als kultisch an…“ offenbart eher die Hilflosigkeit jedes Wissenschaftlers, der an die Grenze seines Fachbereiches stößt. Es ist festzustellen, daß sich einfallslose und zum Teil haarsträubende Deutungsversuche leider allzu oft und gerade auch in den Schriften, die einen wissenschaftlichen Anspruch erheben zu finden sind. Daß es auch anders geht, belegen die neuesten interdisziplinären Forschungen im Bereich des Sonnenobservatoriums Goseck und der Sonnenscheibe von Nebra in Sachsen Anhalt, aber auch die Arbeiten an dem „Mädchen aus dem Moor“, der Moorleiche aus dem Großen Moor in Darlaten bei Uchte, Niedersachsen. Nur die interdisziplinäre Forschung, also die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Fachbereichen wie beispielsweise der Archäologie, der Astronomie, der Biologie, der Geologie, der Chemie und Physik, aber auch der Sprach- und Sagenforschung sowie der kunstgeschichtlichen Typologie, kann uns ansatzweise in die Lage versetzen, ein schärferes Bild unserer Vergangenheit, der Frühzeit Europas, zu erlangen.
„Die vermeintlichen Unterschiede zwischen den schriftführenden Hochkulturen und dem bronzezeitlichen Mitteleuropa sind weniger groß, als man vermuten mag.“ 1.
Mit der Auswertung der Fundgegenstände werden wir Zeugen einer überaus reichen und eigenartigen Hochkultur unseres Heimatgebietes.

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1. Karl-Heinz Willroth, Bronzezeit als historische Epoche, in „Leben-Glauben-Sterben vor 3000 Jahren“, Isensee Verlag, 1996 S.3

Die ältesten Funde aus Nordeuropa stammen aus der Altsteinzeit (Paläolithikum)
1992 finden die Forscher des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege im Landkreis Helmstedt ein „Wildpferd- Jagdlager des Urmenschen“. „Sie datieren in das Altpaläolithikum, sind bis zu einer halben Million Jahre alt und damit – mit großem Abstand – nicht nur die ältesten Siedlungsnachweise des Menschen in Niedersachsen, sondern gehören mit zu den frühesten Besiedlungsspuren in Europa. 1.

„An bisher ca. 10 Fundplätzen konnte ein breites Spektrum an Jagdbeuteresten der Großfauna (Waldelefant, Nashorn, Pferd etc.) geborgen werden. Doch an erster Stelle ist ein etwa 400.000 Jahre altes Wildpferd-Jagdlager zu nennen, mit einer ganzen Kollektion exzellent erhaltener Holzgerätschaften (Wurfspeere und andere…), die sämtlich bisher in der Welt aus dieser frühen Zeit, der mehr als 2 Millionen Jahre dauernden Epoche der Altsteinzeit, einmalig sind.“2.

Der Mensch dieser frühen Zeit war starken Klimaschwankungen ausgesetzt und lebte als Jäger und Sammler.
Neben diesen haben wir sehr viele Funde, die aus der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) stammen.
Die Werkzeuge bestehen aus Stein, Holz und Knochen.
Bereits in der Altsteinzeit ist der Mensch künstlerisch aktiv. Holz- und Elfenbeinschnitzerei sind besonders ausgeprägt. Zu erwähnen sind die jüngsten Funde der Forscher der Universität Tübingen aus der Schwäbischen Alb: Fein bearbeitete Kunstgegenstände aus Elfenbein geschnitzt.


Steinbeil, Landesmuseum Hannover
Die neuen Funde demonstrieren die glänzende Kunstfertigkeit der eiszeitlichen Bewohner der Schwäbischen Alb und bekräftigen die Beobachtung, dass die älteste figürliche Kunst schön und hoch entwickelt und keineswegs primitiv war. Vier Höhlen der Region (Vogelherd, Hohlenstein-Stadel, Geißenklösterle und Hohle Fels) haben Kunstwerke geliefert, die alle älter als 30.000 Jahre sind. Diese Funde gehören zu den ältesten und eindrucksvollsten figürlichen Kunstwerken weltweit“, berichten die Forscher der Universität Tübingen. 3.

In der Jungsteinzeit (vor ca. 8.000 Jahren) wurde das Klima erheblich wärmer. Es ist die Zeit der großen Erfindungen im Bereich der Werkzeuge, des Verkehrswesens, des Kalenderwesens, der Kunst. Nicht umsonst spricht man von einer „neolithischen Revolution“. Die nordeuropäischen Bewohner werden seßhaft und betreiben Ackerbau und Viehzucht. Große Steinsetzungen werden gemeinschaftlich gebaut.


Abb. 1
Der Neusteinzeitmensch war Ackerbauer, der zur Erzielung guter Ernteerträgnisse verständlicherweise einer genauen Kalenderteilung bedurfte. Zwangsläufig mußte er den im Wechsel der Monate und Jahre sich abspielenden Himmelserscheinungen Beachtung schenken oder, … die Feste bestimmen, damit sie wirklich auf „feste“ Tage fielen. Wenn es auch von diesen frühen Zeiten keine schriftliche Überlieferung gibt, so vermögen doch die Steine zu sprechen. Es ist eine stumme und doch eindringliche Sprache, die der Astronom wohl versteht…“ 4.

Die großen Steinsetzungen sind Stätten der Wissenschaft, der Religion und Kunst gleichermaßen.
Die Archäoastronomie und insbesondere die Arbeiten von Rolf Müller und Alexander Thom belegen mit ihren Studien an den steinernen Monumenten das außerordentliche Wissen der Menschen der Jungsteinzeit im Bereich der Astronomie und der Geometrie.


Abschlussteine des "Hünenbetts" Visbecker
Braut nahe Wildeshausen, Niedersachsen.
Mit der gleichen Arbeitsmethode erzielte vor wenigen Jahren Prof. Wolfhard Schlosser, Archäoastronom der Ruhr-Universität Bochum, aufsehenerregende Ergebnisse im Bereich der 7.000 Jahre alten Sonnenwarte von Goseck in Sachsen Anhalt. Auch das Land Niedersachsen bietet mit seinen sog. „Hünenbetten“ im Raum Wildeshausen einen überzeugenden Beleg für diese hohe Kultur unserer Vorfahren. Siehe hier die Arbeit von Prof. Dr. Rolf Müller in seinem Buch „Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit“. Prof Müller schreibt: „Die Völker, deren Weg von der iberischen Halbinsel über Frankreich, Großbritanien, durch Deutschland und die skandinavischen Räume führte, offenbaren in ihren Bauten nicht nur ihre religiösen Vorstellungen, sondern ein eigenartiges mathematisch-meßtechnisches – und vor allen Dingen himmelskundliches Wissen.“  5.

Bearbeiteter Flintstein,
Landesmuseum Hannover
Harald Meller, der Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen Anhalt, sagt wohl mit Recht, daß  „die Steinzeitmenschen in vielen Dingen längst so weit waren wie wir.“ 6.

Neben den Großsteinmonumenten dürfen die kleinen Funde nicht unerwähnt bleiben. Unzählige filigrane Arbeiten in Flintstein (Feuerstein) zeigen nicht nur ein hohes künstlerisches Gefühl, sondern belegen auch eine ausgeprägte Handwerkskunst. Ebenso die extrem glattpolierten und perfekt durchbohrten Beile in einer Vielzahl von Formen.
Noch zur Jungsteinzeit finden wir das erste Metall, Kupfer, das eine neue Zeitepoche einläuten wird: Die Bronzezeit.

 

 

 

 

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1. Siehe: www.archaeologieportal.niedersachsen.de  Seite des NLD (Projekt ASHB)

2. Siehe: www.archaeologieportal.niedersachsen.de  Seite des NLD (Projekt ASHB)

4. Prof. Dr. Rolf Müller, „Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit“, Springer Verlag 1981, S.1

5. Prof. Dr. Rolf Müller, „Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit“, Springer Verlag 1981, S.1

6. Text von Hans- Joachim Löwer aus dem Artikel „Die Welt der Sternendeuter – In Mitteldeutschland finden Forscher immer mehr Spuren erstaunlicher Kulturen aus der Steinzeit und Bronzezeit. Begann hier unsere Zivilisation?“ National Geographic, März 2007, S.69

Abb.1: Prof. Dr. Rolf Müller, „Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit“, Springer Verlag 1981, S.79

Mit der Bronzezeit erreicht die Kunst einen Höhepunkt. Mit Recht spricht man auch vom „Goldenen Zeitalter“.
Wie Funde aus Mitteldeutschland belegen, reicht der Beginn der ersten Metallzeit in die Jungsteinzeit. Es sind Kupferwerkstücke mit einem Alter von ca. 6.400 Jahren. Ernst Probst schreibt in seinem Buch „Deutschland in der Steinzeit“ 1., daß die ältesten Kupferfunde alle früher als 4.000 v. Chr. angefertigt wurden.
„Die Daten über die früheste Verwendung von Kupfer widerlegen die gebräuchliche Chronologie und erschüttern die gängige Lehrmeinung, wonach die frühen Kupferfunde Importe aus dem östlichen Mittelmeerraum, Südosteuropa oder Spanien seien.“ 2.
Das Metall Bronze besteht im Wesentlichen aus zwei Metallen, Kupfer und Zinn. Verschiedene Legierungen in Fundstücken der frühen Bronzezeit lassen, was die Legierung angeht, auf eine Experimentierphase schließen. Zu bemerken ist, dass im Helgoländer-Kupfer ein natürlicher besonders hoher Anteil an Spurenelementen wie Arsen, Wismut und Silber vorhanden ist, und besonders viele frühe noch dem Neolithikum zugerechneten Funde aus Norddeutschland aus diesem Material gefertigt sind. Der Chemiker Werner Lorenzen, angeregt durch die Studien von Jürgen Spanuth, veröffentlichte 1965 seine Studien zum Thema Helgoländer Kupfer in einem Buch mit dem Titel: „Helgoland und das früheste Kupfer des Nordens.“ Lorenz kommt zu dem eindeutigen Ergebnis, daß „…seit dem Frühneolithikum das Helgoländer Kupfer gewonnen, verarbeitet und exportiert…“ wurde.  Auch in diesem Falle ließ sich die öffentliche Lehrmeinung kaum anregen um gegen die gängige These, alles Metall sei Importware, einzulenken. Selbst nicht als1980 Taucher des Kieler Geologischen Instituts zwei Kilometer südlich der Düne von Helgoland Kupferbarren im Gewicht von ca. 90 Kg. bargen.
Wenn auch die ersten Metallfundstücke noch nicht aus Bronze, d.h. aus einer Legierung von Kupfer und Zinn  bestanden, so setzt doch die frühe Bronzeentwicklung bereits um 2.300 vor Chr. ein. „Früher wurde der Beginn der frühen Bronzezeit um etwa 1.800 bzw. 1.700 vor Chr. angesetzt. Neueste Forschungen legen aber nahe, daß wir diesen Zeitraum um einige Jahrhunderte zurückverlegen müssen.“ 3.
Die Handwerker der Bronzezeit hatten erkannt, dass ein höherer Zinnanteil eine spröde harte Bronze und ein geringerer Zinnanteil eine weiche bearbeitungsfähige Bronze ergibt. So findet man in den bronzezeitlichen Klingen stets eine zinnreichere Legierung, da die Klinge Schlägen standhalten musste.
Kunstgegenstände wie beispielweise die bronzezeitlichen Gürtelschnallen der Frauen wurden stattdessen mit einer weicheren Legierung gegossen, da sie dadurch besser bearbeitet werden konnten.
Das ideale Verhältnis von etwa 90 % Kupfer und 10%  Zinn ergaben einen ausgezeichneten Werkstoff mit einer Schmelztemperatur um 1000°C, der auch bessere Schmelz- und Gießeigenschaften als reines Kupfer besaß.Der Siegeszug des neuen Materials war nicht mehr aufzuhalten.Durch Guß lässt sich Bronze in eine Vielzahl von Formen leiten und eine beliebige Formenvielfalt entwickeln. Selbst lange Schwertklingen oder dünnwandige Instrumente wie die Luren, ließen sich in einer meisterhaften Vielfalt herstellen. Waren Bronzestücke einmal zerbrochen oder beschädigt, so konnte das Metall wiederverwendet werden. Auf diese Weise wurde ein Rohstoffkreislauf in Gang gesetzt, der nahezu unendlich gewesen wäre, würden ihm nicht aufgrund der Grabbeigaben aus Metall große Mengen entzogen.
„Die erstaunliche Höhe des Bronzegusses ermöglichte es, gröbere Verzierungen gleich im Guß herzustellen. Für feinere wurde die Arbeit nach dem Guß mit der „Punze„ hergestellt. Darunter verstehen wir ein Stäbchen oder einen Stift, der aus einem härteren Metall hergestellt ist als das zu bearbeitende Metall. Die nötige Härte für die Bronzepunze erreichte man durch einen hohen Zinngehalt, dadurch wurde eben die Bronze bedeutend härter, wenn auch spröder. Wenn die Punze in eine abgerundete Spitze endete, konnte man mit ihr Punkte und Punktreihen in das Werkstück einhämmern, wenn sie ein kurzes, meißelartiges Ende besaß, erzielte man Einzelstriche oder, indem man Hieb an Hieb setzte, auch gerade und gekrümmte Linien. Zu welcher künstlerischen Höhe dieses Punzen entwickelt wurde, zeigen die hervorragenden Verzierungen, besonders auf den Bronzebecken der jüngeren Bronzezeit.“ 4.

Nationalmuseum Kopenhagen, Dänemark.

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1. Ernst Probst. „Deutschland in der Steinzeit“, Bertelsmann, München 1991

2. Meier, Gert/Zschweigert, Hermann, Die Hochkultur der Megalithzeit, Tübingen 1997, S. 330

3. Siegfried Fröhlich, „Vom Sögeler Dolch und anderen Funden“, in „Von Speerspitzen und Steingräbern“, Sögel 1982, S. 58

 4. Prof. Dr. K. H. Jacob-Friesen , Einführung in Niedersachsens Urgeschichte, Bronzezeit, Hildesheim,1963, S.211

Die Eisenzeit in Mitteleuropa soll im 8. Jahrhundert vor Chr. ihren Anfang haben. Sie wird unterteilt in eine ältere Eisenzeit (800 – 450 v. Chr.), die Hallstattzeit, und eine jüngere Eisenzeit (450 – 100 v. Chr.), die La Téne Zeit genannt wird.
Die Eisenkunst entwickelt sich danach und findet ihren Höhepunkt in der Völkerwanderungszeit  (375 – 568 nach Chr.) und in die Wikingerzeit (793 – 1066 nach Chr.).

Abb. 1: Hochofen der frühen Eisenzeit.

Der Forschungsstand zur vorrömischen Eisenzeit ist noch immer unvollkommen. Die Behauptung, daß der norddeutsch – südskandinavische Raum zur älteren Eisenzeit auf Importware angewiesen war, ist noch gängige Lehrmeinung. Die Funde und Befunde der Siedlungsplätze von Teltow (südlich von Berlin) mit einer lokalen Eisenverhüttung ab dem 4./3. Jh. v. Chr. sprechen eine andere Sprache. Ein DFG-Projekt des Instituts für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Michael Meyer legt bei einer im Jahre 2010 geführten Ausgrabungskampagne in Teltow sechs Rennfeueröfen am Rande der ehemaligen Siedlung frei.  Neben den Öfen wurden zwei „Schmiedeessen entdeckt, in denen die erzeugten Eisenluppen ausgeheizt wurden. Im Umfeld fanden sich Verarbeitungsschlacken, Fragmente von Essesteinen und Hammerschlag. Einzelne Arbeitsschritte der Eisenproduktion können hier bestens nachvollzogen werden. ... Als Rohstoffe für die Eisenverhüttung dienten nachweislich Raseneisenerz und Kiefernholzkohle. ... Es sind weit über 10 Tonnen Eisenverhüttungsschlacke aus der Siedlung bei Glienick  (Lkr. Teltow) geborgen worden, was auf eine umfassende Eisenproduktion hindeutet, die mindestens für die Deckung des Eigenbedarfes ausreichte. Wahrscheinlich war darüber hinaus sogar eine Distribution möglich. Die Siedlung, die nach den gegenwärtigen Erkenntnissen ins 4.-2. Jh. v. Chr. datiert werden kann, war neben der bäuerlichen Subsistenzwirtschaft vollkommen von der Eisenmetallurgie geprägt. Ein ähnliches Bild zeigen auch andere Siedlungen des Teltow, wie Begehungen und geophysikalische Messungen zeigen.“ 1

Weitaus ältere Belege eigenständiger Eisengewinnung fand man in Schweden. Hier sind die Arbeiten von Pär HANSSON  (Finnbäcken och Smedsgärden - två förromerska järnframställningsplatser i Närke Från bergslag och bondebygd 39, 1985, pp 59-66. 9 figs. Sw. - übersetzt: ... - zwei Eisen-Herstellungs-Plätze in Närke) zu beachten.
Uwe Neupert, Himbergen, berichtet aus der frühgeschichtlichen Schwantes Tagung (Mai 2011 in Bad Bevensen, Niedersachsen), daß der Grabungsdoktorand vor internationalen Archäologen vorsichtig die Hypothese formulierte, ob die Eisengewinnung im Norden begonnen hätte. Die Fachleute begrüßten diese Überlegung mit großem Beifall.

 

Konnte man schon früh Eisen herstellen, war dieses sicherlich anfänglich noch weich und nicht geeignet zur Herstellung von Waffen und Werkzeug. Dazu war es nötig, daß ein schmiedbares, zähes und hartes Eisen (Stahl) mit einem Kohlenstoffgehalt unter 2% erzeugt werden musste. Das Verfahren zur Stahlgewinnung und zur Härtung des Eisens finden wir in der Thidrekssaga, wo berichtet steht, wie Wieland das Schwert Mimung schmiedet, „das Eisen wie Kleider schnitt.“

Aus der alten Zeit sind nur wenige Funde bekannt: Es ist eine Zeit der spärlichen Grabbeigaben. Zudem zeigt sich beim Eisen ein wesentlich schnellerer Verfall im Gegensatz zur Oxidation anderer Metalle wie Bronze oder gar Gold.

Abb. 2: Schwert aus Bootskammergrab in
Heithabu. Es lag unter einem 20 m langen
Wikingerschiff. Mitte des 9. Jahrh. Schloss
Gottorf, Schleswig.

Zur Völkerwanderungszeit wurden hervorragende Waffen mit äußerst kunstvollen Damastarbeiten hergestellt. Neben der Funktionalität stand die künstlerische Gestaltung im Vordergrund. Viele Schwerter trugen Namen, und wir begegnen ihnen noch heute in den alten Sagen.
Ein beeindruckendes Dokument für die Qualität dieser Schwerter stellt ein Brief des Ostgotenkönigs Theoderich der Große ( geboren 451/56 in Pannonien – ermordet 30. August 526 in Ravenna) dar, in dem er sich für eine Geschenksendung des Vandalenkönigs (vermutlich Thrasamund, König des Vandalenreichs in Nordafrika von 496 bis 523)  bei diesem bedankt:

„Zusammen mit schwarzen Stämmen der Mooreiche und einheimischen blonden Knaben hat Eure Brüderlichkeit Schwerter für uns ausgewählt, die sogar im Stande sind, Rüstungen zu durchschneiden, und die ich mehr noch wegen ihres Eisens als wegen des Goldes auf ihnen preise. So glänzend ist ihre polierte Klarheit, dass sie mit genauer Deutlichkeit die Gesichter derjenigen widerspiegeln, die auf sie schauen. So gleichmäßig verlaufen ihre Schneiden zur Spitze, dass man annehmen möchte, sie seien nicht mit Feilen hergestellt, sondern im Schmelzofen geformt. Das Mittelstück ihrer Klingen, geschickt gekehlt, erscheint wie mit kleinem Wurmwerk gekräuselt, und hier spielen so mannigfaltige Schatten, dass man glauben möchte, das glänzende Metall sei mit vielen Farben verwoben. Dieses Metall ist auf Eurem Schleifstein geschliffen und mit Eurem glänzenden Pulver so kräftig poliert, bis sein stählerner Glanz ein Spiegel der Männer wird. Dieses Pulver wird Euch unter den natürlichen Schätzen eures Landes gewährt, so dass sein Besitz Euch einzigartigen Ruhm bringen möge. Solche Schwerter möchte man in ihrer Schönheit für das Werk Vulkans halten, von dem gesagt wird, dass er mit solcher Geschicklichkeit sein Handwerk veredelt habe, dass alles, was von seinen Händen gestaltet wurde, nicht mit menschlicher, sondern mit göttlicher Kraft gefertigt zu sein schien.“ 2

Abb. 4: Schmiedewerkzeuge der
Wikingerzeit.
Abb. 3: Schwerter der Wikingerzeit.
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1 Text von Markolf Brumlich M. A. in:
www.geschkult.fu-berlin.de/e/praehist/forschung/Prof_Meyer/Eisenverhuettung

2 Aus: Zitat aus: Prof. Dr. Helmut Föll in:
www.tf.uni-kiel.de/matwis/amat/mw1_ge/kap_4/advanced/t4_1_3.html

Abb. 1: W. Petersen aus Dr. Jörg Lechler, 5000 Jahre Deutschland, Leipzig 1937.

Abb. 2: Aus Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte der Christian-Albrecht-Universität, Schloß Gottorf.

Abb. 3: Arild Nybø from Førde, Norway Museum Bergen.

Abb. 4: Aus Dr. Jörg Lechler, 5000 Jahre Deutschland, Leipzig 1937.

Abb. links: Portalplanke der Hyllerstad Stabkirche, Norwegen, Darstellung der Nibelungen-Sage (13. Jahrhundert).

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