- Bronzegießerei in Schinna, Landkreis Nienburg -

Bronzene Beil-Gussform, Landesmuseum
Hannover.

„In der Anfangszeit unserer Wissenschaft glaubte man einfach nicht, daß Bronzegüsse, die eine so hohe Kunstfertigkeit voraussetzen mußten, bei uns „im rauhen Norden“ hätten angefertigt sein können. Deswegen hielt man sie samt und sonders für Einfuhrgut, … Erst als man bei uns Gießereiwerkstätten aufdeckte, und es klar wurde, daß der Norden sich in der Formgebung seines Gerätes ganz wesentlich von allen anderen Kulturen unterscheidet, kam man zu der Feststellung, daß der „ nordische Kreis“, der sich ja schon in der Jungsteinzeit durch die Verbreitung der nordischen Großsteingräber herausgehoben hatte, eine frühe bodenständige Bronzekultur besaß.
…; der Bronzeguß verlangte größere Werkstätten und Männer, die sich ausschließlich dieser Arbeit widmeten, die ihre eigenen Beobachtungen und die überlieferten Erfahrungen von Generation zu Generation weitergaben und so einen neuen Stand zu hohem Ansehen brachten, den des Handwerkers“, schriebProf. Dr. K. H. Jacob-Friesen 1., erster Direktor des „Provinzial-Museums zu Hannover“.


Bronzene "Sichel"-Gussform, Landesmuseum
Hannover

„Bedeutungsvoll für den Nachweis der Bodenständigkeit von Bronzegüssen in unserer Heimat sind die Gußformen. ... Aus der jüngeren Bronzezeit kam 1939 bei Schinna im Kreise Nienburg ein größerer Gießereifund bei Bauarbeiten zum Vorschein. Offenbar war eine Siedlungsstelle, also die Wohnstätte eines Bronzegießers, angeschnitten worden, worauf dunkle Verfärbungen im Sande, wahrscheinlich Pfostenlöcher, hinwiesen, die aber leider nicht beachtet wurden.“ 2. Diese bronzezeitliche Gießerei nahe Stolzenau an der Weser vereint in seinem Befund Arbeitsgerät (Gußformen, Tüllenhammer), reparierte Stücke (Halsring) und gebrauchsfähige Fertigprodukte.


Durch Verschweißen "reparierter" Bronzereif
Landesmuseum Hannover

Aber auch andere niedersächsische Gießereiwerkstätten sind gefunden worden: In Stade-Campe oder Wiegersen sind eine ganze Reihe von gußfrischen Absatzbeilen mit Gußnähten gefunden worden.

In Werkstätten wie diesen entstanden wahre Meisterstücke, deren Formenvielfalt und Ornamentik eine langjährige und über Generationen weitergetragene Tradition voraussetzen. Die wohl aufsehenerregendsten Meisterwerkstücke des Bronzegusses sind die großen Musikhörner, die Luren.

"Mitunter trat bei Gussformen auch eine Art Verschweißung ein, indem die zusammenzufügenden Stücke teilweise aufgelöst wurden. Auch die Stader Räder sind nicht völlig im ersten Guss gelungen. An Naabe, Speichen und Felge mussten verschiedene Nachbesserungen ausgeführt werden." 3.

________________________________
1. Prof. Dr. K. H. Jacob-Friesen , Einführung in Niedersachsens Urgeschichte, Bronzezeit, Hildesheim,1963, S.212

2. Prof. Dr. K. H. Jacob-Friesen , Einführung in Niedersachsens Urgeschichte, Bronzezeit, Hildesheim,1963, S.347

3. Karl-Heinz Willroth, "Metallversorgung und -verarbeitung", in Leben-Glauben-Sterben vor 3000 Jahren, Istensee, Oldenburg 1996, Seite 73

Impressum, Wolf Schröppe, Darlaten 55, 31600 Uchte, info@moorschmied.de